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Angebotskalkulation mit KI — Kosten schätzen, die halten

21. August 2026 · Teil 6 der Serie „KI für Ingenieure“

Teil 6 der Serie „KI für Ingenieure"


Lesezeit: ~7 Minuten Zielgruppe: Konstrukteure, Kalkulanten, Vertriebsingenieure, Geschäftsführer Takeaway: Kostenkalkulations-Prompt + Excel-Vorlage

Das Dilemma der Angebotskalkulation

Du bekommst eine Anfrage. Zeichnung liegt vor — aber keine Zeit für eine detaillierte Kalkulation. Also schätzt du:

Resultat: Das Angebot ist entweder zu teuer (Auftrag weg) oder zu günstig (Auftrag da, aber ohne Gewinn).

Präzise Kalkulation ist scheinbar trivial — in der Praxis aber hochkomplex:

Material       + Fertigung      + Gemeinkosten   + Gewinn
Werkstoff?      Rüsten?          MKW-Satz?        Welche Marge?
Normteile?      Arbeitsgänge?    Verwaltung?      Skonto?
Zukaufteile?    Maschinenstunden? Vertrieb?        Mengenrabatt?

KI kann hier Sekundenarbeit leisten — wenn sie die richtigen Daten bekommt.

Die Kostenarten im Überblick

Vollständige Kalkulation = Summe aus 6 Kostenblöcken:

BlockBestandteileTypischer Anteil
1. MaterialRohteil, Verschnitt, Zukaufteile, Normteile25-35%
2. FertigungRüsten, Fertigen, Prüfen, Nachbearbeitung30-45%
3. SondereinzelkostenWerkzeug, Beschichtung, Sonderprüfung5-15%
4. GemeinkostenMKW, FGK, VVGK (Zuschläge)15-25%
5. Verpackung + TransportVersand, Verpackungsmaterial2-5%
6. Gewinn+ Risikozuschlag5-15%

Wichtig für KI: Je präziser du die Ausgangsdaten (Material, Arbeitsgänge, Stundensätze) angibst, desto genauer wird die Schätzung.

Prompt-Template: Komplette Angebotskalkulation

Du bist ein erfahrener Kalkulant im [MASCHINENBAU / ANLAGENBAU / SONSTIGE BRANCHE].
Ich erstelle ein Angebot für ein Fertigungsteil. Berechne eine detaillierte Vorkalkulation.

AUFTRAGSDATEN:
- Kunde: [NAME]
- Angebotsnummer: [NR.]
- Stückzahl: [STK]
- Termin: [TERMIN] (Normal / Eil)
- Losgröße: [EINMALIG / RAHMENAUFTRAG / SERIE]

BAUTEIL:
- Benennung: [KURZBESCHREIBUNG]
- Zeichnungsnummer: [NR.]
- Werkstoff: [MATERIAL + NORM, z.B. 1.4301]
- Rohteil: [ABMESSUNGEN ROH, z.B. 200x150x40 mm]
- Fertigteil: [ABMESSUNGEN, z.B. 180x130x35 mm]
- Oberfläche: [UNBEHANDELT / LACKIERT / PASSIVIERT / GESCHLIFFEN]
- Gewicht (roh): [KG]
- Gewicht (fertig): [KG]

FERTIGUNG:
1. Arbeitsschritte (z.B. "CNC-Fräsen 3-Achs", "Drehen", "Bohren")
2. Jeder Schritt mit geschätzter Rüstzeit und Fertigungszeit
3. Komplexität: [NIEDRIG / MITTEL / HOCH]

KOSTENGRUNDLAGEN:
- Material: [MATERIALPREIS PRO KG IN €]
- CNC-Stundensatz: [€/h, inkl. Maschine + Bediener]
- MWK-Satz: [%] (Materialgemeinkosten)
- FGK-Satz: [%] (Fertigungsgemeinkosten)
- VVGK-Satz: [%] (Verwaltungs- + Vertriebsgemeinkosten)
- Gewinnzuschlag: [%]
- Skonto: [%] (3% bei Zahlung innerhalb 14 Tage)
- Verpackung: [€ PRO EINHEIT]
- Transport: [€ PAUSCHAL]

BERECHNE FOLGENDE TABELLE:

1. Materialkosten
   - Rohteil (kg x Preis) = X €
   - Verschnitt (%-Zuschlag) = Y €  
   - Normteile / Zukaufteile = Z €
   - Zwischensumme Material = X + Y + Z €
   + MWK (%) = ...
   = MATERIALKOSTEN GESAMT = M €

2. Fertigungskosten (pro Arbeitsgang)
   - AG 1: [BEZEICHNUNG] | Rüsten X min | Fertigen X min | Satz X €/h | Betrag X €
   - AG 2: ...
   - Zwischensumme Fertigung = F €
   + FGK (%) = ...
   = FERTIGUNGSKOSTEN GESAMT = G €

3. Sondereinzelkosten
   - Werkzeug: X €
   - Beschichtung: X €
   - Prüfung: X €
   = SEKF €

4. Herstellkosten = M + G + SEKF = H €

5. Verwaltungs- + Vertriebskosten
   + VVGK (%) = ...
   = V €

6. Selbstkosten = H + V = S €

7. Gewinn + Wagnis (%) = W €

8. Verpackung + Transport = VT €

9. ANGEBOTSPREIS NETTO = S + W + VT = P € PRO STÜCK
   (aufgerundet auf volle 5 €)

10. ANGEBOTSPREIS GESAMT = P x Stückzahl = €

11. ZAHLUNGSZIEL: 14 Tage - 3% Skonto, 30 Tage netto

Gib die Kalkulation als strukturierte Liste aus.
Kommentiere: Welcher Kostenblock hat den größten Hebel?

Fallbeispiel: Drehteil aus 1.4301

Ausgangsdaten:

KI-Kalkulation (Ergebnis gekürzt):

=== ANGEBOTSKALKULATION ===

1. MATERIALKOSTEN
   Rohteil:    3,2 kg x 3,80 €/kg   = 12,16 €
   Verschnitt: 8%                    = 0,97 €
   Zwischensumme Material:           = 13,13 €
   + MWK (8%):                       = 1,05 €
   = MATERIALKOSTEN:                 = 14,18 €

2. FERTIGUNGSKOSTEN
   AG 1 CNC-Drehen:
     Rüsten: 30 min x 65 €/h → 32,50 €
     Fertigen: 8 min/Stk x 65 €/h → 8,67 €/Stk
   AG 2 Gewinde:
     Fertigen: 3 min/Stk x 55 €/h → 2,75 €/Stk
   AG 3 Entgraten:
     Fertigen: 2 min/Stk x 45 €/h → 1,50 €/Stk
   Zwischensumme Fertigung:         = 12,92 €/Stk
   + FGK (25%):                     = 3,23 €
   = FERTIGUNGSKOSTEN:              = 16,15 €

3. SONDEREINZELKOSTEN
   Gewindebohrer M16: 0,40 €/Stk
   Prüflehre Ø60h7: 0,25 €/Stk
   = SEKF:                          = 0,65 €

4. HERSTELLKOSTEN (14,18 + 16,15 + 0,65): = 30,98 €

5. VVGK (12%):                               = 3,72 €

6. SELBSTKOSTEN (30,98 + 3,72):              = 34,70 €

7. GEWINN (12%):                              = 4,16 €

8. VERPACKUNG + TRANSPORT:                    = 1,50 €

9. ANGEBOTSPREIS PRO STÜCK:                   = 40,36 €
   → GERUNDET: 45,00 €

10. GESAMTPREIS (50 Stk):                     = 2.250,00 €

11. ZAHLUNGSZIEL: 14 Tage - 3% = 2.182,50 €

=== KOMMENTAR ===
Größter Hebel: Fertigungskosten (46% des Preises).
Eine Reduktion der Drehzeit von 8 auf 6 min/Stk spart 650 € auf 50 Stk.
→ Prüfe: Schnellere Schnittgeschwindigkeit möglich?

Präzision: Bei gut gepflegten Stundensätzen und Materialpreisen liegt die KI-Kalkulation innerhalb von ±5% der tatsächlichen Kosten. Ohne diese Daten → ±20% (Richtwert, nicht verbindlich).

Prompt-Template: Alternativ-Vergleich

Für Kunden, die zwischen mehreren Varianten wählen:

Vergleiche die Kosten von drei Fertigungsvarianten:

BAUTEIL: [BESCHREIBUNG]

VARIANTE A: [CNC-Fräsen aus Vollmaterial]
- Material: [MATERIAL, ABMESSUNGEN]
- Fertigung: [ARBEITSSCHRITTE]
- Rüstzeit: X min | Fertigungszeit: X min
- Werkzeugkosten: X €

VARIANTE B: [3D-Druck (FDM/SLS)]
- Material: [MATERIAL]
- Druckzeit: X h
- Nachbearbeitung: [ART + ZEIT]

VARIANTE C: [Guss + Nachbearbeitung]
- Gussteil: X €/Stk (ab 50 Stk)
- Nachbearbeitung: [ARBEITSSCHRITTE]

Erstelle eine Vergleichstabelle mit:
- Kosten pro Stück (Einmalig / 10 / 50 / 100 / 500 Stück)
- Rüstkosten (einmalig)
- Lieferzeit pro Variante
- Amortisationspunkt (ab welcher Stückzahl lohnt sich welche Variante?)
- Empfehlung mit Begründung

Datenbasis pflegen: Materialpreise + Stundensätze

Die KI kann nur so gut kalkulieren, wie die Daten sind, die du ihr gibst. Pflege diese Tabelle und füge sie jedem Kalkulations-Prompt bei:

=== MEINE KOSTENGRUNDLAGEN (MASCHINENBAU) ===
MATERIALPREISE (Stand: [DATUM]):
- S235JR: 1,20 €/kg
- S355J2: 1,50 €/kg
- 1.4301 (Edelstahl): 3,80 €/kg
- 1.4571: 5,20 €/kg
- AlMg3 (3.3535): 2,80 €/kg
- PA6 (Guss): 12,50 €/kg

MASCHINENSTUNDENSÄTZE (INKL. BEDIENER):
- CNC-Fräse 3-Achs (DMG): 65 €/h
- CNC-Fräse 5-Achs (Hermle): 95 €/h
- CNC-Drehmaschine: 60 €/h
- Konventionelle Drehmaschine: 45 €/h
- 3D-Drucker (FDM): 5 €/h
- 3D-Drucker (SLS): 25 €/h

GEMEINKOSTENZUSCHLÄGE:
- MWK (Material): 8%
- FGK (Fertigung): 25%
- VVGK: 12%
- Gewinn: 12%

> 💡 Tipp: Speichere diesen Block als separate Datei (kostengrundlagen.md) und füge ihn per Copy-Paste jedem Prompt hinzu.

Integration in die Nachkalkulation

Der wahre Wert liegt im Soll-Ist-Vergleich:

Ich habe ein Bauteil kalkuliert und gefertigt. Vergleiche:

VORKALKULATION:
[ERGEBNIS AUS PROMPT #1]

NACHKALKULATION (tatsächliche Werte):
- Tatsächliche Materialkosten: X €
- Tatsächliche Fertigungszeit: X min (statt kalkulierter X min)
- Tatsächliche Rüstzeit: X min
- Tatsächliche Sondereinzelkosten: X €

Analysiere:
1. Wo sind die größten Abweichungen (>5%)?
2. Warum? (Material teurer? Fertigung langsamer?)
3. Welche Konsequenz für zukünftige Kalkulationen?
   - Korrektur der Zeitvorgaben?
   - Korrektur der Stundensätze?
   - Bessere Angebotsprüfung?

Ergebnis: Nach 5-10 Nachkalkulationen wird die KI immer präziser, weil du ihr kontinuierlich Feedback gibst.

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Fazit

Angebotskalkulation mit KI ist kein Ersatz für kaufmännisches Wissen — aber ein Turboboost für den Prozess:

  1. Erstkalkulation: Rohdaten rein → fertige Kalkulation in 2 Minuten
  2. Alternativ-Vergleich: 3 Varianten gleichzeitig durchrechnen
  3. Soll-Ist: Nach der Fertigung auswerten und beim nächsten Mal besser kalkulieren

Die Formel: Gute Stundensätze + präzise Eingangsdaten + KI = verlässliche Kalkulation in Minuten statt Stunden.

Nächste Woche: Teil 7 — „Excel war gestern: Wie du mit KI Excel-Tabellen automatisierst"


Teil 6 der Serie „KI für Ingenieure"

Kalkulierst du schon mit KI? Welche Kostenblöcke sind bei dir am schwierigsten zu schätzen? Schreib's in die Kommentare!

Die Serie „KI für Ingenieure“